Lauterbacher Pfingstmusiktage: Poetisch und pompös

12.06.2019 - Lauterbacher Anzeiger

Von red

Klangfülle und emotionale Resonanz in Lauterbach

LAUTERBACH - Es war sicher nicht der Bekanntheitsgrad der Werke, der beim diesjährigen festlichen Pfingstkonzert am Sonntagabend für eine bis auf den letzten Platz gefüllte Kirche sorgte. Das jährliche Musikfestival, veranstaltet von der evangelischen Kirchengemeinde und gestaltet von Kantorin Claudia Regel hat im 47. Jahr seines Bestehens längst ganz eigene Kräfte entwickelt, die Publikum von nah und fern nach Lauterbach in die Stadtkirche und die anderen Veranstaltungsorte ziehen.

Dazu gehört sicher nicht zuletzt die frühsommerliche Pfingststimmung in und um die Kirche, aber natürlich vor allem die hohe Qualität und Vielfalt der künstlerischen Darbietungen. Die Kurpfalzphilharmonie unter der Leitung von Hannelotte Pardall ist seit Jahren Garant für diese hohe Qualität. Hinzu kommen ausgesuchte Vokalsolisten sowie natürlich der Chor der Lauterbacher Pfingstmusiktage aus Sängerinnen und Sängern der Lauterbacher Kantorei sowie zahlreichen Gästen. Gerade diese Kombination unterschiedlicher Chöre und Sänger macht den Reiz und die Strahlkraft dieses Projektchores aus, der seit über 40 Jahren der musikalische und emotionale Anker des festlichen Pfingstkonzertes ist.

Nun war es aber nicht nur das Publikum, welches am Sonntagabend die Stadtkirche füllte, vor allem war es die Musik, die den Raum und jeden einzelnen Besucher in Resonanz versetzte.

Marco Bossis "Concerto in a-Moll für Orgel, Streicher, Hörner und Pauken" gehört sicher nicht zu den häufig gespielten Werken des europäischen Konzertkanons. In der Lauterbacher Stadtkirche überraschte es in der Interpretation Hannelotte Pardalls mit der Kurpfalzphilharmonie und Stefan Kießling an der Orgel mit seiner musikalischen Farbigkeit und klanglichen Energie. Durch die Anordnung von Orchester im Altarraum und dem Solisten an der Orgel auf der Empore am entgegengesetzten Ende des Kirchenschiffs eroberte die Musik die dritte Dimension. Während das Publikum den für ihn sichtbaren Klangkörper vor sich erlebte, senkten sich die Klangflächen der Orgel von oben auf die Zuhörerinnen und Zuhörer herab und machten diese selbst zu einem Teil des beeindruckenden Klangbildes. Technisch möglich wurde diese musikalische Koordination durch die Übertragung des Dirigats per Kamera zum Organisten und blieb dennoch eine Meisterleistung gegenseitiger Empathie der Künstlerinnen und Künstler.

Waren die Chorpodeste in der ersten Konzerthälfte noch leer geblieben, positionierte sich nach der Pause der Projektchor der Pfingtmusiktage im Altarraum. Auch das Orchester vergrößerte sich nun um Posaunen und Trompeten, um mit Felix Mendelssohn Bartholdys Lobgesang (op. 52) ein noch klanggewaltigeres Werk anzugehen. In zehn Sätzen entwickelte die Sinfonie-Kantate für Gesangssolisten, Chor und Orchester einen weiten Spannungsbogen, der mit einer instrumentalen Sinfonia mit bisweilen zeitlosen bis modernen Anklängen begann. Im zweiten Satz, geprägt von einem signalhaften Posaunenmotiv, erhoben sich dann die bis dahin noch sitzenden Chorsänger, griffen das Motiv der Bläser in noch kraftvollerer Weise auf und sendeten damit eine Welle emotionaler Energie durch den Kirchenraum, die jeden Zuhörer mitnahm.

Eine weitere Steigerung boten im Verlauf der Kantate die drei Gesangssolisten, Hanna Zumsande und Cornelia Samuelis (Sopran) und Michael Connaire (Tenor), die der Klangkraft von Chor und Orchester Glanz und Ausdruck verliehen. Wieder wurde die Dreidimensionalität der Musik deutlich, als plötzlich die Sopranistin von der Empore in das Duett mit dem Tenor einstieg. Unerwartet und umso intensiver traf die Kraft der emotionalen Resonanz die Zuhörer.
Der Choral "Nun danket alle Gott" bot in seiner Klarheit und einfachen Schönheit den dramaturgischen Höhepunkt der Kantate, vielleicht eine Reminiszenz an die Kantaten Bachs, um den musikalischen Spannungsbogen danach wieder zum signalhaften Motivs des Anfangs zu führen und in einem fulminanten Klangfinale zu enden.

In hörbarer Resonanz bot das Publikum mit anhaltendem Applaus seinen klanglichen Anteil an einem großen Konzert mit beachtlichen solistischen und gemeinsamen musikalischen Leistungen.

 

Quelle: Lauterbacher Anzeiger, "Klangfülle und emotionale Resonanz in Lauterbach",12.06.2019, [zum Artikel]

Foto: Scheuer

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